Untersuchungen zeigen, dass inklusives Design die Kundenreichweite um das Vierfache steigern kann

Studien, die vom Centre for Inclusive Design in Zusammenarbeit mit Adobe und Microsoft durchgeführt wurden, haben ergeben, dass Produkte und Dienstleistungen, die auf die gesamte Breite der Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten sind, das Vierfache der Zahl der Nutzer erreichen können.

Inklusionsdenken früh in die Konzeptphase einbeziehen, verhindert Kosten

Um die Bedeutung von Inclusive Design zu unterstreichen, hat das Centre for Inclusive Design in Zusammenarbeit mit Adobe und Microsoft den Bericht „The Benefit of Designing for Everyone“ in Auftrag gegeben, der von PwC durchgeführt wurde. Dem Bericht zufolge werden Menschen, die Schwierigkeiten beim Zugang zu oder der Nutzung von Produkten und Dienstleistungen haben, oft nicht in den Designprozess einbezogen. Dies kann dazu führen, dass ein erheblicher Prozentsatz der Bevölkerung außer Acht gelassen wird, ebenso wie kostspielige Nachrüstungen für Produkte und Dienstleistungen, die bis zu 10.000 mal so hoch sein können wie die Kosten für die frühzeitige Einführung von Inclusive Design.

Antrieb für die Gesellschaft

Untersucht wurde in Australien. Für die Anwendung auf Deutschland können die Zahlen etwa verdreifacht werden. Die Ergebnisse des australischen Berichts zeigen, dass der australische Bildungs-, Einzelhandels- und Finanzdienstleistungssektor von der Umsetzung eines inklusiven Ansatzes im Designprozess profitieren kann. Im Bildungsbereich kann Inclusive Design zu zusätzlichen 228.000 Hochschulabschlüssen führen, die in Australien erworben würden, was wiederum zu einer Erhöhung der Beschäftigung und der Löhne um 4,5 Milliarden Dollar jährlich führen kann. Inklusive Finanzdienstleistungen können mehr als 830.000 Australiern helfen, ihre finanzielle Situation und Kompetenz zu verbessern, während im Einzelhandel ein potenzieller Umsatzanstieg von 4 Milliarden Dollar durch besser entwickelte Produkte und Dienstleistungen zu erwarten ist.

Kaufkraft 120 Milliarden

Etwa 16 Millionen Deutsche sind aufgrund des schlechten Designs nicht in der Lage, auf Produkte und Dienstleistungen zuzugreifen – doch sie verfügen über ein jährliches verfügbares Einkommen von über 120 Milliarden Euro. Diese Zahl umfasst Menschen mit einer Behinderung und ältere Menschen, aber es gibt Millionen von Bundesbürgern, die auch aufgrund von Lage, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder finanziellem Status von Ausgrenzung bedroht sind.

Adobe und Microsoft sind weltweit führend in den Bereichen Inclusive Design und zwei der ersten Global Players, die die Bedeutung des Verständnisses der Bedürfnisse, Wünsche und Einschränkungen der Kunden im Rahmen des Designprozesses erkennen. Beide Unternehmen haben in ihren Teams Spezialisten für inklusive Designaufgaben, die für die Umsetzung und das Umdenken von Produkten verantwortlich sind.

Schlüsselwissen

Dr. Manisha Amin, CEO des Centre for Inclusive Design, sagt: „Design, das die gesamte Bandbreite der menschlichen Vielfalt in Bezug auf Fähigkeiten, Sprache, Kultur, Geschlecht, Alter und andere Formen der menschlichen Diversität berücksichtigt, bedeutet, dass mehr Menschen einbezogen werden. Wir haben die Studie in Auftrag gegeben, um die notwendigen Mittel zu identifizieren und zu bestimmen, mit denen Australien handeln kann, um diese Lücken zu schließen. Inklusive Produkte und Dienstleistungen, die auf die Bedürfnisse von Edge-Anwendern ausgerichtet sind, können die bis zu vierfache Größe der Zielgruppe erreichen und nutzen und es Unternehmen ermöglichen, ihren Umsatz durch die Vergrößerung ihrer Zielmärkte zu steigern. Designer, Unternehmen und Regierungen haben alle eine Aufgabe zu erfüllen, indem sie anders gestalten, investieren und gesetzgeberisch tätig sind, so dass ein ganzheitlicher Designprozess zur gängigen Praxis wird.“

Jeremy Thorpe, Partner und Chefökonom bei PwC, sagte: „Inklusives Design ist ein Ohne-Reue-Prozess. Es ist ein übersehener Punkt, um das Potenzial des Marktes zu maximieren und eine produktivere Gesellschaft zu gewährleisten.“

Suzanne Steele, Managing Director, Adobe Australia and New Zealand, sagte: „Die Inspiration kann von überall und von jedem kommen, und es liegt an den Unternehmen, ihren Mitarbeitern Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die den Entstehungsprozess verbessern und ihre Ideen zum Leben erwecken können. Durch unsere Partnerschaft mit dem Centre for Inclusive Design und Microsoft wollen wir das Bewusstsein dafür schärfen, wie wichtig es für Unternehmen ist, eine breite Palette von Stimmen und Sichtweisen in ihre Teams einzubeziehen, um die Vielfalt der Bevölkerung in ihren Produkten und Dienstleistungen widerzuspiegeln.“

David Masters, Corporate Affairs Director, Microsoft Australia, sagte: „Barrierefreiheit wird oft auf Compliance ausgerichtet, und obwohl das unglaublich wichtig ist, zeigt dieser Bericht deutlich, dass Integration auch wirtschaftlichen Nutzen bringt. Die Einbettung in die Vorentwurfsphase stellt sicher, dass Unternehmen Produkte und Dienstleistungen für alle bereitstellen. Inclusive Design treibt die Innovation bei Microsoft voran und ist ein Konzept, das von allen Unternehmen umgesetzt werden sollte.

Der Bericht analysiert drei Schlüsselindustrien – Bildung, Einzelhandel und Finanzdienstleistungen –, die von der Umsetzung eines inklusiven Designs profitieren und finanzielle, wirtschaftliche und soziale Verbesserungen bewirken können. Zu diesen Vorteilen gehört auch, dass Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre Erträge zu steigern, indem sie ihre Zielmärkte erweitern und Menschen, die von Ausgrenzung bedroht sind, mit einem jährlichen verfügbaren Einkommen von über 120 Milliarden Euro einbeziehen.

Kontaktieren Sie mich – ich unterstütze diesen Prozess auch bei Ihnen

Ich bin für Ihre Unterstützung da. Es ist meine Aufgabe Organisationen und Branchen bei der Umsetzung von Inclusive Design zu unterstützen. Ich verfüge über eine Reihe von Beratungsdienstleistungen, um den Wandel zu unterstützen. Bitte kontaktieren Sie mich gern, um mehr zu erfahren.

ISO 30071-1 für digitale Zugangsnormen - alles, was Sie wissen müssen

Die ISO 30071-1 beschreibt Vorgaben für die Schaffung barrierefreier IKT-Produkte und -Dienstleistungen. Veröffentlicht am 28. Mai 2019, ist sie eine internationale prozessorientierte Norm, die es Unternehmen ermöglicht, Barrierefreiheitsansprüche in ihre „business as usual“-Prozesse einzubetten.

ISO 30071-1 ist die internationale Richtlinie, die Website-Betreiber während des gesamten Prozesses der Inbetriebnahme und Erstellung von Websites unterstützt.

ISO 30071-1 erstreckt sich auf alle digitalen Produkte (oder IKT-Systeme) – einschließlich Benutzerfreundlichkeit von VR/AR-Headsets, Smart Speakers, Kiosken, Bord- und In-Car-Entertainment-Systemen, Spielkonsolen, Geldautomaten und elektronischen Kassensystemen; sie berücksichtigt auch den Kontext der Verwendung dieser Produkte und was zu tun ist, wenn die unterstützenden Technologien und Zugangsrichtlinien, die normalerweise den Zugang zu digitalen Produkten ermöglichen, auf einem Gerät nicht verfügbar sind.

ISO 30071-1 beschreibt einen Prozess, um sicherzustellen, dass digitale Produkte bei der Inbetriebnahme und Wartung zugänglich sind, und verschlankt ihn in 8 Punkte, die in jede beliebige Methodik des Softwareentwicklungslebenszyklus integriert werden können, die Teams zur Erstellung ihrer Produkte verwenden.

ISO 30071-1 aktualisiert und klärt die Empfehlungen zum Zusammenhang zwischen integrativem Design und benutzerpersonalisierten Ansätzen für die Zugänglichkeit, auch wenn es darum geht, zusätzliche personalisierte Zugänglichkeitsanforderungen zu stellen.

ISO 30071-1 aktualisiert die Business Cases, um sie besser für die vielfältigen und unterschiedlichen Gesetzgebungen in verschiedenen Ländern anzupassen, die die Zugänglichkeit fördern oder vorschreiben.

Erwerben Sie ISO 30071-1 im ISO-Shop.

20% der Bundesbürger verstehen Texte nur auf Grundschulniveau oder geringer

6,2 Millionen deutsch sprechende Erwachsene können Texte nicht gut lesen und schreiben. Das sind 12,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Sie verstehen auch einfache Texte nicht. Und 20,5 Prozent verstehen nur Texte auf Grundschulniveau!

20% kann man nicht mehr als Randgruppe bezeichnen


Mit der Kategorie „geringe Literalität“ sind folgende drei Level gemeint. Das trifft auf 12,1 Prozent der Menschen in Deutschland zu.

  • 1. Level, Alpha 1: die Personen können zwar Buchstaben erkennen, aber kaum Wörter. Davon sind 0,6 Prozent der Bevölkerung betroffen. Jedes Wort wird langsam entziffert.
  • 2. Level Alpha 2: Sie können zwar Wörter schreiben, aber kaum Sätze zusammensetzen. Dies sind rund 3,5 Prozent.
  • 3. Level Alpha 3: Gut 8 Prozent der Menschen lesen zwar Sätze, verstehen aber einfache Texte nicht.


20,5 Prozent auf Level Alpha 4, also Kategorie Grundschulniveau

  • Darüber hinaus können Menschen im Level Alpha 4 zwar Texte lesen und schreiben, aber nur auf einfachem Grundschulniveau. 2018 lasen und schrieben 20,5 Prozent der Menschen auf diesem Niveau

Die kleinste Gruppe der hier Betroffenen ist die der 18 bis 25-Jährigen mit gut 12 Prozent. Umgekehrt ist fast die Hälfte der schlecht Schreibenden und Lesenden über 46 Jahre alt.


In der Kategorie „geringe Literalität“ haben 76 Prozent einen Schulabschluss. 35,4 Prozent einen mittleren oder hohen.

Die Anteile von Personen mit unterschiedlichen Schulabschlüssen an den gering literalisierten Erwachsenen (Alpha-Levels 1-3) 2018

Personen mit verschiedenen Schulabschlüssen
6,2 Millionen gering literalisierte Erwachsene:
Anteile von Personen mit verschiedenen Schulabschlüssen.
Quelle: Universität Hamburg, LEO 2018 – Leben mit geringer Literalität.
Basis: Gering literalisierte, Deutsch sprechende Erwachsene (18-64 Jahre), n=867, gewichtet. Abweichung von 100 % ist rundungsbedingt.

Zugezogene

Über 40 Prozent der erwachsenen Befragten, die als erste Sprache eine andere Sprache als Deutsch gelernt hatten, konnten in der Studie schlecht lesen und schreiben. Sie machen insgesamt gut 47 Prozent der gering Literalisierten aus. Fast 80 Prozent von ihnen gaben jedoch an, in ihrer ersten Sprache anspruchsvolle Texte lesen zu können. Dabei wurden nur die befragt, die auf Deutsch antworten konnten.

Bemerkungen

Die Studie spricht nicht mehr von „funktionalen Analphabeten“, weil der Begriff als stigmatisierend gilt.

In der aktuellen repräsentativen „LEO 2018“-Studie wurden 2018 über 7.000 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren befragt.

Die ausführlichen Ergebnisse der LEO 2018-Studie können Sie hier als PDF herunterladen.

Instant Audioguide. Information am Objekt selbst schafft Orientierung und Information für Alle

TellDing ist ein "instant Audioguide" und Orientierungssystem in einem.

TellDing® ist ein System, das Besuchern eines Gebäudes oder einer Ausstellung individuell angepasste Informationen zum Objekt per Audio ausgibt. Dabei kann diese Audioinformation insbesondere auch zur Orientierung zum Objekt hin genutzt werden. Ein Aufzug oder eine Treppe wird also von einer beliebig voreinstellbaren Entfernung aus sprechen „Treppe zu den Etagen 2 bis 8“. Daraufhin kann ein blinder Besucher sich orientieren und zielgenau bewegen. Mehr Informationen dazu auf TellDing.de

TellDing ist ein "instant Audioguide" und Orientierungssystem in einem.
TellDing ist ein „instant Audioguide“ und Orientierungssystem in einem.
TellDing ist ein "instant Audioguide" und Orientierungssystem in einem.
Versteckt oder offen angebracht informiert er mit einem Näherungssensor in der Sprache und Ausführlichkeit des individuellen Bedarfs des Besuchers
TellDing ist ein "instant Audioguide" und Orientierungssystem in einem.
TellDing als Orientierungssystem gibt blinden Besuchern akustisch die Zielführung zum Objekt.

Ästhetik und Barrierefreiheit sind vereinbar

Voll-3D-Modell eines Krokodils mit Audiofeedback

Inhalte begreifen und verstehen statt konsumieren und vergessen. Das ist für alle Museumsbesucher ein großer Gewinn – und für manche davon sogar alternativlos und notwendig. Alle Menschen brauchen Inklusion früher oder später. Blinde Menschen brauchen sie jetzt!

Ein Museum ästhetisch barrierefrei machen: Preiswert, attraktiv und sinnvoll für alle. Das geht! Taktile Grafik, diverse Orientierung und allgemein verständliche Sprache sowie Objekte zum Anfassen.  Ich zeige Ihnen gerne, wie.

Inhalte zu vermitteln wird besonders dann anspruchsvoll, wenn inklusive Vermittlungswege hinzukommen. Dieser Anspruch wird derzeit zur Regel in Museen. Aber viele Museumspädagogen haben meist noch nicht ausreichend Hintergrundwissen um ihren Anspruch an Qualität und Ästhetik mit Barrierefreiheit in Einklang zu bringen. Es fehlt der Pool an Ideen und Möglichkeiten, den man bisher hatte. Oft werden die Möglichkeiten und vor allem die Grenzen des Machbaren dabei völlig falsch eingeschätzt. Insbesondere Ästhetik und universelles Design leiden darunter.

Als Experte für barrierefreie Vermittlung und als klassischer Designer mit hohem Anspruch unterstütze ich Museen in der Planung und Konzeption von Ausstellungen oder einzelnen Stationen. Stichworte sind: inklusive Leitsysteme, Funktionsmodelle, Brailleschrift, Tastgrafiken, Tastobjekte, einfache Sprache, Gebärden, inklusives Begleitmaterial, Beschriftungen.

Referenzen: Humboldtforum Berlin, Technikmuseum Berlin, Neues Museum Berlin …

Senatsverwaltung wertet konventionelle Ausstellung mit Mehrwert für alle auf

Ein Buch mit einfachen Texten, Punktschrift und großartigen Grafiken, taktil umgesetzt

Unter dem Titel „natürlich Berlin!“ wurde eine Ausstellung eröffnet, die konventionell gedacht, aber inklusiv umgesetzt wurde.

Die Ausstellung zu erweitern um sie auch Kindern ab Klasse 5, Menschen mit schlechtem Sehvermögen, blinden Menschen, Menschen in Eile und Touristen zugänglich zu machen, wurde spät beschlossen – aber nicht zu spät.

Mehrwert-Exponat einfach und taktil
Ein Mehrwert-Exponat: Das inklusive Ausstellungsbuch, macht die Ausstellung um vieles reicher und verständlicher.
Taktil erfahrbare Grafik eines Spatzes
Taktil erfahrbare Grafik „Spatz“

Wir haben für alle Ausstellungsbesucher als Ergänzung ein inklusives Mehrwert-Modul entwickelt:

  • Alle Texte und Bilder der 30 Ausstellungstafeln sind nun auch digital auf dem Smartphone über QR-Codes abrufbar. Das bedeutet man kann sie (ob einfach lesefaul, sehschwach oder blind) dort per Screenreader vorlesen lassen oder auch  groß zoomen. Sogar für jedes Bild der Ausstellung bekommt man dort auch eine Audiodeskription, die die Bilder für Blinde beschreibt.
  • Alle diese ausführlichen Texte liegen zusätzlich vollständig auch in einem Textbuch in Braille-Punktschrift vor. Dieses ist in das Mehrwert-Modul integriert.
  • 32% ALLER BESUCHER, also knapp ein Drittel, bevorzugen laut einer Studie unter Museumsbesuchern einfache Sprache, ohne Fremdworte und mit kurzen Sätzen. Das sind Touristen, Kinder und Menschen mit Lernschwierigkeiten oder einfacher Bildung, oder auch einfach Besucher mit begrenzter Zeit. Für jedes der sechs Themen der Ausstellung haben wir dafür eigens neu geschriebene Übersichtstexte in einem inklusiven Ausstellungsbuch abgedruckt – natürlich inklusive Punktschrift. Die Texte sind in einer Sprache gehalten, die Laien, Kinder an Klasse 5 und Nicht-Muttersprachler besser verstehen.
  • Zu jedem Thema haben wir außerdem einen beispielhaften Aspekt in inklusive Grafiken umgesetzt. Unterhaltend und anschaulich. Die Grafiken sind aufwändig blindenpädagogisch korrekt aufbereitet und mit einer relativ neuen Drucktechnik erstellt, die sie taktil lesbar macht.

Das inklusive Buch dient so auch für Sehende als Ergänzungs-Exponat mit Mehrwert, das den Wissenstransfer der ganzen Ausstellung für alle bereichert.

Taktile Grafik einer Fledermaus
Die Knochen in den feinen Flügelhäuten der Fledermaus werden begreifbar.
Taktile Grafik einer Hausfassade als Lebensraum für Stadttiere
Eine Hausfassade als Lebensraum für Stadttiere
Einfache Sprache und Braille als Ergänzung in einem Buch
Einfache Sprache und Braille als Ergänzung in einem Buch
Entstehung des Urstromtals um Berlin
Entstehung des Urstromtals um Berlin durch Gletschermassen in der Eiszeit.
Ein Buch, das die kompletten Ausstellungstexte der 30 Tafeln in Braille-Punktschrift beinhaltet.
Ein Buch, das die kompletten Ausstellungstexte der 30 Tafeln in Braille-Punktschrift beinhaltet.

Die Ausstellung, insbesondere der inklusive Teil, kann an Institutionen, Bibliotheken und Schulen verliehen werden. Ansprechpartnerin ist Frau Müller vom Freilandlabor Britz.

Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken

Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken       

Über die Frage, in welcher Form urheberrechtlich geschützte Werke (z. B. Bücher, Filme etc.) vervielfältigt und verbreitet werden, entscheidet der Urheber/die Urheberin bzw. der Rechteinhaber/die Rechteinhaberin. 

Es war deshalb nicht immer möglich, urheberrechtlich geschützte Texte z. B. auch in Blindenschrift zur Verfügung zu stellen. 

§ 45a UrhG ermöglicht Menschen mit Behinderungen deshalb seit dem 13. September 2003 den erlaubnisfreien Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken.

Können sie ein Werk sinnlich nicht wahrnehmen, so erlaubt es diese Vorschrift, das Werk in eine andere Wahrnehmungsform zu übertragen. 

Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise Werke der Literatur für blinde Menschen auf Tonträger aufgenommen oder in Blindenschrift übertragen werden dürfen.  

Auch die Weitergabe an andere behinderte Menschen ist zulässig, wenn damit keine kommerziellen Interessen verfolgt werden. 

Zum Ausgleich für diese Nutzung steht dem Urheber eine Vergütung zu.    

Das Urheberrechtswahrnehmungsgesetz stellt dabei in § 13 Absatz 3 UrhG sicher, dass die Verwertungsgesellschaften bei ihrer Tarifgestaltung und bei der Einziehung der Vergütung auf die sozialen Belange des Zahlungspflichtigen Rücksicht nehmen. 

 

Gastbeitrag einer erblindeten Kunstkennerin

Tate London: Anfassen erlaubt
Anette Bach

Ist Kunst zu begreifen?

Eine Rodin-Ausstellung im Folkwang-Museum in Essen! Für mich ein Ereignis! Die Jahre meines Lebens, in denen ich sehen konnte, waren geprägt von Freude und Interesse an der Kunst. Ich habe das Zeichnen geliebt, aber auch Gemälde und die Bildhauerei. Auch wenn ich nicht mehr sehen kann, hat sich mein Interesse für, ich würde sogar sagen, mein Bedürfnis nach Kunst nicht geändert. Also fahre ich nach Essen. An Rodins Werke kann ich mich gut erinnern. Der berühmte „Denker“, „Die Bürger von Calais“ und erst „Der KUSS“. Was würde die Ausstellung bringen? Frust pur! Ich durfte nichts anfassen.

Ich mochte es gar nicht glauben. Was konnte ich an Steinskulpturen zerstören, wenn ich sie nur mit meinen Händen berührte? Auch durch ein aufgelegtes Seidentuch durfte ich nichts anfassen. Ich habe gebeten, geschimpft, argumentiert. Die saure Luft des Ruhrgebietes, die Fliegen, Spinnen und Staub würden sicher eine größere Bedrohung für die Unversehrtheit des Kunstwerks bedeuten. Nichts zu machen!

Ich finde, so geht das nicht! Auch ich weiß natürlich, dass es nicht vernünftig wäre, alle Museums- und Ausstellungsinhalte für jede tastende Hand freizugeben. Aber es ist viel mehr möglich, als zugestanden wird. Sicher, es ist mir oft gelungen, Führungen zu organisieren, bei denen dann am Ende doch die Vitrinen geöffnet oder die Begrenzungsgitter beiseitegeschoben wurden. Aber das war immer Glücksache und abhängig vom guten Willen und der Eigenmächtigkeit des jeweiligen Führers. Ich wünsche mir ein Umdenken. Alle Aussteller sollten verpflichtet sein, sehgeschädigten Menschen ihre Ausstellung zugänglich zu machen. Dafür gibt es Konzepte und weitere können entwickelt werden. Aussteller sollten schlagende Argumente haben müssen, für das, was nicht möglich ist. So etwas wird es immer geben, aber es darf nicht passieren, dass wir in die Rolle der Bittsteller, Überreder oder Krawallmacher gezwungen werden, die etwas angeblich Unmögliches fordem.

Wenn einmal eine gute Fee bei mir vorbeikäme, würde ich mir wünschen, dass vielleicht jedes Bundesland eine Einrichtung schafft, die vollgestopft ist mit Modellen. Es gibt so viele herrliche, spannende und unglaubliche Dinge, die Menschen geschaffen haben: Die Bauten der Inkas, den Taj Mahal, die Oper in Sydney oder die Elbphilharmonie. Selbst wenn ich überall hinfahren könnte und es mir erlaubt wäre, alles zu begehen, zu berühren, so würde sich doch das meiste nicht erschließen. Den David, den Michelangelo geschaffen hat, würde ich nicht mal erkennen, wenn ich auf dem fünf Meter hohen Marmorgebilde herumklettern dürfte.

Modelle herzustellen, ist in Zeiten von Scannern und 3D-Druckern wohl nur noch eine Frage des Wollens.

Bei mir klingelt es. Kommen Feen durch die Haustür?

Zur Autorin 
Anette Bach leitet im DVBS die Bezirksgruppe Hessen. 

Die 66-Jährige organisiert mit dem Leitungsteam regelmäßig Veranstaltungen zu aktuellen Themen und Ausflüge, deren Termine unter dvbs-online.de veröffentlicht werden und die auch interessierten Gästen offen stehen.

Der Beitrag wurde erstmals veröffentlicht in der Horus 2/2018 / Zugängliche Kultur – Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter. Die Veröffentlichung hier erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Auszeichnung durch den Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier

Ich freue mich, daß heute meine Initiative #goinclusive auch von ganz oben, also vom Bundespräsidenten anerkannt wird und ausgezeichnet wurde.

Gutes Design, gute Architektur, gute Wissensvermittlung ist immer für ALLE Anwender verständlich und nutzbar. Dazu haben wir (schweizergestaltung, Werk5 und ich) uns zusammengeschlossen und beraten und unterstützen Unternehmen, Designer, Museen, Institutionen, Produkthersteller und die Politik dabei, diese Aspekte ohne ästhetische oder inhaltliche Abstriche umzusetzen.

Auszeichnung: ausgezeichnete orte