Taktil erfassbarer Wandplan mit Etagenübersicht für das Kreativquartier Potsdam


Experte für Barrierefreiheit und Inklusion
Taktil erfassbarer Wandplan mit Etagenübersicht für das Kreativquartier Potsdam

Die Fassade eines Berliner Altbaus wurde für die taktile Darstellung in einer Größe von 15 x 20 cm als Relief entwickelt und fotorealistisch gedruckt.

Ab dem 28. Juni 2025 tritt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) vollständig in Kraft. Vielen ist nicht bewusst: Das Gesetz betrifft nicht nur Webseiten und digitale Dienste, sondern auch ganz konkret Produkte und Dienstleistungen.
Für Anbieter bedeutet das: Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Angebote von Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt genutzt werden können. „Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) – Pflichten und Risiken für Anbieter von Produkten ab 28. Juni 2025“ weiterlesen
Als Experte für Inklusion und Barrierefreiheit durfte ich an einem wegweisenden Leuchtturmprojekt in der Hamburger HafenCity mitwirken. Im 18-geschossigen Präventionszentrum der Berufsgenossenschaften BGW und VBG verschmelzen modernste Architektur und konsequent inklusives Design zu einer besseren Form der Gebäudeerschließung.

Mein Beitrag konzentrierte sich auf die Beratung der Akteure bei der Planung und dem Design hinsichtlich funktionaler und ästhetischer Barrierefreiheit. Dazu gehörte auch die Weiterentwicklung der Hausschrift Meta durch einen neuen Schriftschnitt „DGUV Meta taktil“ – eine Pyramidenschrift, die in der Beschilderung taktil erfassbar ist. Darüber hinaus habe ich das Orientierungs- und Bodenleitsystem mitgestaltet, das sich wie ein einladendes Band für alle Besucher:innen durch das Gebäude zieht. Durch die Kombination der diversen Elemente ermöglichen wir allen Menschen eine selbstständige und intuitive Orientierung im Gebäude.
Statt isolierter Speziallösungen oder gar nachträglicher Korrekturen und Erweiterungen, haben wir von Anfang an ein Gebäudedesign für alle Menschen geschaffen. Denn echte Inklusion bedeutet, dass wir auch alle Räume autonom erfassen und nutzen können.
Verpassen Sie nicht die zum Projekt gut bebilderte Projektseite meines Auftraggebers Ippolito Fleitz Group GmbH. Es lohnt sich.
Ich erinnere heute an die dringende Notwendigkeit von barrierefreien Notrufsystemen in Aufzügen, insbesondere die Pflicht, visuelle Notrufe anzubieten, um Menschen mit Hör- und Sprachbeeinträchtigungen nicht zu gefährden. Derzeitige Notruflösungen in den meisten Aufzügen beschränken sich meist auf eine rein akustische Kommunikation, was Menschen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigungen im Notfall den Zugang zur Leitzentrale verwehrt.
Diese Unzulänglichkeit verstößt nicht nur gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, sondern auch gegen verschiedene Bauvorschriften und Normen. Das Grundgesetz und die UN-Behindertenrechtskonvention sind eindeutig in Bezug auf die Nichtdiskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Die in den Bundesländern verankerten Behindertengleichstellungsgesetze spiegeln diese Anforderungen wider.
Darin wird wird betont, dass Barrierefreiheit in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden von entscheidender Bedeutung ist, unabhängig von der Natur der Dienstleistung. Die Musterbauordnung und die DIN 18040-1 weisen darauf hin, dass barrierefreie Aufzüge eine Zwei-Wege-Kommunikation erfordern.
Deutschland orientiert sich an den EU-Normen, die besagen, dass Notrufsysteme und Sprechverbindungen sowohl akustisch als auch optisch erfolgen müssen. Barrierefreie Aufzüge müssen dem Mehr-Sinne-Prinzip entsprechen, insbesondere für Personen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigungen, die auf visuelle Kommunikation angewiesen sind.
Viele Hersteller bieten bereits visuelle Notrufsysteme an, die die Kommunikation über Touch-Displays oder Smartphones ermöglichen. Diese Lösungen unterstützen mehrere Sprachen und gewährleisten, dass auch Personen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigungen im Notfall eine effektive Kommunikation mit der Außenwelt sicherstellen können.
Es ist deutlich, dass eine ausschließliche Nutzung von akustischen Notrufen einen klaren Verstoß gegen gesetzliche Vorgaben darstellt und die gleiche Nutzung des Aufzugs für alle einschränkt. Die Verantwortung für die korrekte Implementierung und Funktionalität des Notrufsystems liegt beim Hersteller des barrierefreien Aufzugs, und die Nichteinhaltung kann rechtliche Konsequenzen sowie Haftung bei Schadensfällen nach sich ziehen.
Ich bin seit über 13 Jahren regelmäßig mit dem Kostenthema beschäftigt und habe viele Projekte umgesetzt. Die meisten Beratungs- und Designprojekte waren für Museen, aber auch im weiteren Bildungsbereich oder in der Architektur und Produktentwicklung. In den letzten Jahren hat die Umsetzung inklusiver Ziele auch in Deutschland an Fahrt aufgenommen. In der Regel gelingt die Umsetzung dort am besten, wo Vielfalt (»Diversity«) von mindestens einer Entscheider-Person im Unternehmen oder Institution mit Engagement als selbstverständlich eingefordert wird. Die Reaktion der Beteiligten ist meistens ganz unverblümt: »für die paar Leute sollen wir so viel Geld ausgeben? Wer zahlt die Kosten für Inklusion?«.
Ich habe dafür eine Antwort. Die steht weiter unten, aber Sie müssen die paar Zeilen dazwischen lesen, um sie zu verstehen. Lange habe ich darüber nachgedacht und fand letztlich einen Hinweis in der Fragestellung. Denn Inklusion steht ja nicht wirklich wegen der Kosten infrage, sondern, und das ist meine Analyse, weil sie nicht als selbstverständlich betrachtet wird. Mit »selbstverständlich« meine ich etwas wie das Verlegen von Stromleitungen, wenn Sie ein Haus bauen. Sie sorgen damit für die Zugänglichkeit, also Barrierefreiheit (»Accessibility«) des Gebäudes durch Licht – besonders, wenn Sie es nachts nutzen wollen. Und Sie betreiben damit Ihre Hilfsmittel, wie Waschmaschine und Heizung, für Menschen deren körpereigene Energie nicht für alle Aufgaben reicht. Ohne Strom wären die Hausnutzer:innen also sehr behindert.
Unter anderem aus folgenden Gründen steht wohl Deutschland im EU-Vergleich auch an letzter Stelle bei der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben durch die EU und die UN. Wir leben in der Regel nicht mit unseren Eltern oder Großeltern in einem Haus und erleben tagtäglich, wie anstrengend das Altwerden ist, wenn die Beine, das Herz und die Augen nicht mehr wollen. Wir sind nicht mit den (10%!) Kindern in die selbe Klasse gegangen, die allein wegen körperlicher Eigenschaften in die Sonderschulen geschickt wurden und werden. Darum kennen wir sie nicht und sind nicht mit ihnen befreundet. Darum haben wir nicht gelernt, daran zu denken, dass sie auch dazugehören und dass es unbestritten so sein muss, dass möglichst alle Menschen möglichst selbstbestimmt und gemeinsam leben können. Wir haben es nicht gelernt. Das müssen wir nachholen und wir müssen ganz schön aufholen.
Nun zur oben versprochenen Antwort, woher kommt das Geld?
Sie finden es im Gesamtbudget (und nicht mal versteckt). Und so geht es: Wenn Sie ein Projekt kalkulieren, verlangen Sie von allen Dienstleistern und internen Projektbeteiligten, dass sie »von vornherein an die Stromleitungen für Ihr Haus denken«. Sie werden das zu Recht von allen Profis jedes Gewerkes beim Hausbau erwarten. Es ist anders nicht denkbar.
Erwarten Sie genauso selbstverständlich, dass Ihre Partner inklusiv und für alle denken; dass sie in der Konzeption bereits die Weichen stellen und – gegebenenfalls unter Einbeziehung von Beratern und Fachleuten – die nicht-Inklusiven Ideen, weil ungenügend, noch einmal überarbeiten um bessere Lösungen zu finden.
Wenn Ihre Kalkulation dadurch das Budget übersteigt, ist das Budget zu niedrig angesetzt oder Sie erarbeiten gemeinsam kreative Lösungen um an Material, Umfang, Größe, Ausführung, Dauer etc. Änderungen vorzunehmen, um Ihr Ziel zu erreichen. So war das schon immer. In der Vergangenheit war es aber meist so, dass man verschiedene Dinge nicht berücksichtigt hat (siehe oben). Sie werden alle einig sein, dass Menschenrechte nicht verhandelbar sind, aber vielleicht andere Dinge.
Und es funktioniert! Mit fantastischen und einzigartigen Ergebnissen, die Projektbeteiligte und Nutzer begeistern. Ich weiss es, denn ich habe mit Teamsitzungen, Workshops und Konzeption sowie Beratung einige Teams in ihrer Arbeit bis zum Ziel begleitet.
An mehreren Orten und Stationen innerhalb des Museumsgebäudes und der Ausstellung wird man nun akustisch informiert, was man vor sich hat oder wo und wie man weiter kommt. Das System TellDing reagiert dabei abhängig von Sprache oder Informationsbedarf der Besuchenden mit unterschiedlichen Inhalten. Ohne Handy oder App, ohne Audioguide zum Mitnehmen. Man trägt einfach ein Lanyard mit elektronischer Eintrittskarte (TellDing-Avatar) um den Hals. Das TellDing gibt dann am Aufzug oder am Exponat die passenden Informationen aus oder leitet auch blinde Besucher:innen zu sich.

Kinder bekommen andere oder anderes aufbereitete Inhalte als erwachsene, fremdsprachige, blinde oder gehbehinderte Besuchende. Auch der Abstand, ab dem die Audionachricht ausgegeben wird kann sich je nach Nutzer:in unterscheiden. Der Aufzug sollte sich bei einer blinden Besucherin von Weitem melden, während das Exponat erst in unmittelbarer Nähe die Beschreibung ausgibt.
Weitere Informationen finden Sie auf der WebSite TellDing.com

Keine Frage, die Herausforderung ist groß und auch die Verantwortung. Gesucht wurde ein international verständliches Symbol, das taktil und auch visuell für sich spricht. Orientierungspläne sind sowohl für sehende als auch für blinde Personen ein gemeinsames Hilfsmittel. Besonders im Notfall müssen Informationen schnell erfasst werden. Bisher hat ein Zeichen in den DIN-Normen und aktuellen Norm-Entwürfen gefehlt. So haben wir in den letzten Wochen ein neues Zeichen entwickelt und in die Kommission gegeben.

Für die Geschwindigkeit spielt es eine große Rolle, ob Symbole bereits gelernt sind und nicht erst neu interpretiert werden müssen. Das Symbol für den Notausgang und Fluchtweg muss eine eindeutige Richtung anzeigen und es muss vom gewöhnlichen Ausgang unterschieden werden können. Auch Analphabeten und fremdsprachige Menschen sollten damit keine Schwierigkeiten haben.
So haben wir als kleinsten gemeinsamen Nenner das X für „aus“, „hinaus“, „weg“ verwendet und den großen Richtungspfeil auf Grün, der auch aus der visuellen Welt bekannt ist. In der Anwendung im Plan wird das Symbol in Fluchtrichtung gedreht platziert. Die weißen Elemente sind taktil und die grüne Fläche nur visuell zu drucken. Die Mindesthöhe ist 12 mm (grüner Rahmen)!
Eine Ausstellung soll multimedial aufbereitet und für alle zugänglich werden. Es sollen keine aufwändigen Installationen vorgenommen werden und keine App oder Geräte notwendig sein.
Das von mir entwickelte System TellDing® kehrt die technische Bringschuld um und ist genau deswegen für bestimmte Anwendungen extrem interessant und alternativlos!
Die Aufgabe:
Ein Objekt soll 1. nur über das Gehör gefunden werden können (bei Dunkelheit oder für blinde Besucher:innen). 2. Das Objekt soll sich identifizieren und Audio oder Video bereitstellen. Die Nutzer:innen brauchen 3. kein Gerät und keine App
Anwendungsfälle:
Die Exponate in der Ausstellung werden bespielt.
Eine Tür, ein Aufzug, die Treppe, die Toilette – also die Zielführung.
Der Raumtext oder Ambientsound soll wiedergegeben werden.
Der Besucher benötigt nicht den Guide oder das Smartphone in der Hand. Die Intelligenz steckt im Device am Exponat oder am POI (wie Türen, Aufzug, Raumtext). Die erkennt anhand eines vom Besucher am Umhängeband mitgeführten Elements, was es ihm/ihr anbieten soll.
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Instant Audioguide. Information am Objekt selbst schafft Orientierung und Information für Alle

TellDing wird im Museum am Exponat, an Türen und Treppen, der Rauminformation u.s.w. versteckt eingebaut. Der Besucher nähert sich mit seiner Besucherkarte (Eintrittskarte) dem entsprechenden Informationspunkt oder Exponat und bekommt eine Audioinformation in seiner Landessprache. Blinde Besucher bekommen ausführliche Audiodeskription. Als sprechender Punkt hilft das TellDing blinden Besuchern sogar, das Objekt oder die Tür oder den Aufzug zu finden, indem der Besucher einfach der Tonquelle folgen kann. Genial einfach! Und ohne große Kosten einzurichten.
Informieren Sie sich auf www.tellding.com über Möglichkeiten und Kosten

(Foto: Auer Weber Assoziierte)
Insbesondere im Orientierungs- und Leitsystem sowie in den Informationsangeboten, ob digital, passiv oder aktiv fliesst meine Expertise ein. Das gilt auch für die Überarbeitung der Hausschrift für eine taktile Variante, die im Leitsystem als Profilschrift eingesetzt wird. Außerdem werden alle Elemente des Systems auch mit Braille (Punktschrift für blinde BesucherInnen) und kontrastreicher Großschrift gestaltet. Die Orientierung im Gebäude und das Leiten durch das Gebäude wird mit einem Bodenleitsystem und zusätzlich einem digitalen Leitsystem unterstützt. Alles ist rollstuhlgerecht und bequem erreichbar und das für Menschen jeden Alters.
Im Jahr 2022 sollen 180 Mitarbeiter den Neubau beziehen. Darüber hinaus sind Flächen für mehr als 30.000 Besucher jährlich vorgesehen sowie im über 60 Meter hohen Turmbau ein Hotel für Tagungsgäste.
Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) sind die Bauherren und Betreiber in der Hamburger HafenCity. Ab 2022 möchten sie dort unter anderem neue Qualifizierungs-, Veranstaltungs- und Beratungsangebote starten und das gesunde und sichere Arbeiten in Themenwelten erlebbar machen. Bei den beiden Berufsgenossenschaften handelt es sich um zwei der größten in Deutschland.
Das Gebäude soll in höchstem Maße barrierefrei sein und beispielhaft zeigen, wie sich Bildungseinrichtungen inklusionsgerecht gestalten lassen. Neben Musterarbeitsplätzen werden im geplanten Präventionszentrum Themenwelten und Ausstellungen die Prävention von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren erlebbar machen. Das Angebot gilt in Teilen auch für die allgemeine Öffentlichkeit. Vorgesehen ist darüber hinaus die individuelle Beratung und das Training von Versicherten mit berufsbedingten Gesundheitsproblemen.
Wer, wenn nicht die AOK? Alle zukünftigen Bauten und Umbauten von AOK-Beratungszentren werden erheblich barrierefreier als alle bisher. Als Berater begleite ich diese Wandlung. An jedem Ort werden zukünftig alle Aspekte von Barrierefreiheit bedacht, sachverständig diskutiert und wenn irgend möglich umgesetzt. Wir sprechen über den ganzen Kanon der Möglichkeiten barrierefreien Bauens, Gestaltens aber auch des Services. Was heute geplant wird ist in wenigen Jahren schon in über 100 Beratungszentren umgesetzt.
Ein bundesweit einzigartiges Projekt wird das „Centrum für Gesundheit“ in der Berliner Müllerstraße. Dieses Ärzte- und Beratungshaus wird – getragen vom Vorstand – als Leuchturmprojekt für Inklusion und Barrierefreiheit ausgeführt.
Hier zahlt sich aus, als Berater so früh wie möglich in die Projekte eingebunden zu werden. Die frühe Planungsphase der Architekten und Innenarchitekten und der Grafiker ist der beste Einstiegszeitpunkt. Hier kann noch ohne Mehrkosten das Denken in die richtige Richtung gelenkt werden und Entscheidungen vor der Umsetzung korrigiert werden.
TellDing® ist ein System, das Besuchern eines Gebäudes oder einer Ausstellung individuell angepasste Informationen zum Objekt per Audio ausgibt. Dabei kann diese Audioinformation insbesondere auch zur Orientierung zum Objekt hin genutzt werden. Ein Aufzug oder eine Treppe wird also von einer beliebig voreinstellbaren Entfernung aus sprechen „Treppe zu den Etagen 2 bis 8“. Daraufhin kann ein blinder Besucher sich orientieren und zielgenau bewegen. „Instant Audioguide. Information am Objekt selbst schafft Orientierung und Information für Alle“ weiterlesen
Design for All, das bedeutet schlicht Nutzbarkeit von Design, Produkten und Architektur. Man denkt, das sei Standard, aber weit gefehlt! Nicht jeder Kreative und Architekt denkt an alle Nutzer. So kann man auf der Wheelmap sehen, welche Orte nicht für → alte Menschen, → Kinderwagen, → Lieferanten und → Rollstuhlfahrende geeignet sind. Zum Glück sieht man auch die, die erreichbar sind. Das ist der Sinn der Wheelmap. Darunter sind auch so existenzielle Orte wie → Schulen, → Supermärkte, → Ärzte und → Behörden.