Alternativen zu Mondpreisen in der Hilfsmittelbranche sind in Sicht

Günstige Produkte die mehr können oder preiswerter sind, als die aus dem Hilfsmittelkatalog der deutschen Krankenkassen, könnten die Welt der blinden Verbraucher verändern.

Es gibt unendlich viele Dinge, die dringend besser werden müssen und der Aufwand dafür ist teils sehr groß. Die Hilfsmittelindustrie, allen voran die Braillezeilenhersteller, sind in der Steinzeit stehen geblieben, sowohl technisch als auch von der Haltung. Die Geräte sind so unerträglich schlecht, dass in fast allen Fällen nicht einmal die Vertreter der Hersteller sie bedienen können. Schulungen und Unterricht über Tage und Wochen sind nötig um eine einfache Textverarbeitung zu verstehen – ganz zu Schweigen vom ganzen System.
Heute gibt es Bedienkonzepte, die dem komplementär entgegenstehen. Diese könnten ganz besonders für sinneingeschränkte Nutzer nützlich sein. Aber man muss dafür kluge Leuteinterdisziplinär zusammenbringen und wirklich neu denken können und wollen.
Wir, Sie und die blinden Nutzer können daran etwas ändern. Wir recherchieren seit einiger Zeit im Ausland nach Alternativen, nach preisgünstigeren und besseren Hilfsmitteln. Die folgenden vorgestellten Beispiele sind ein Anfang um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Die Probleme heute

Die Krankenkassen und damit das Sozialsystem werden geschröpft, um veraltete Technik zu überhöhten Preisen an blinde Menschen zu verkaufen, die dringend bessere, zeitgemäßere Produkte brauchen, um mit der Gesellschaft Schritt halten zu können.  Durch die hohen Preise werden die wenigen verfügbaren Hilfsmittel auch nur sehr sparsam an Menschen mit dringendem Bedarf abgegeben. Es findet wegen der zufriedenen Sättigung der Hilfsmittelbranche kaum Forschung und Entwicklung statt. ZB wurden aber 10 Millionen staatliche Fördergelder in aussichtslose Produkte wie Hyperbraille gesteckt, die einzig die Finanzierung veralteter Systeme bezwecken. 

Am hiesigen Hilfsmittelmarkt wird sich nichts ändern solange auch die Krankenkassen beliebige Mondpreise zahlen. Ein gutes Beispiel: Der Einkaufsfuchs. 3.600 € für ein Gerät das nicht wirklich mehr kann als ein iPhone mit einer entsprechenden Apps. Gewöhnliche Hardwareanbieter stellen auf Nachfrage fest, dass für einen Bildschirm, der für 115 € im Einkauf zu haben ist, der Hilfsmittelanbieter 780 € in Rechnung stellt. Oder für eine Großschrift-Tastatur die er für 15 € einkauft veranschlagt er 85 €.  Eine Motorrad-Laderampe für 100€ wird als Rollstuhlhilfsmittel für knapp 800€ verkauft.

Abhilfe

Die Krankenkassen müssen selbst die Preise hinterfragen und Abteilungen mit Experten in eigener Sache einrichten, die Entwicklungen recherchieren, fördern und lenken. Dadurch können leicht hunderte Millionen Euro gespart werden und die Menschen besser versorgt werden.

Positive Zeichen der Veränderung

Hilfsmittel von VisionAid aus England z. B. ein Bildschirmlesegerät mit mehr Funktionen als das, was es auf dem deutschen Markt gibt kostet 1.000 anstatt 2.000 €. Deren mobile Lupe mit bis zu 20-facher Vergrößerung, 200 €. Eine Tageslichtleuchte mit verschiedenen Farbtemperaturen und Einstellungsmöglichkeiten für 115 €. Das sind konventionelle Hilfsmittel mit gleicher oder höherer Qualität, die die Hälfte dessen kosten, was deutsche Firmen dafür verlangen. Bei der Lupe aus England kann man „sogar“ den Akku im Internet nachbestellen und selbst tauschen. Auf die Idee kommt auch kein deutscher Hersteller.

Die Entwicklung von BristolBraille, der 8-zeilige Canute für unter 2.000€, und natürlich der OrbitReader20 des APH für etwa 500€ ist bahnbrechend und wird in Deutschland hoffentlich den Markt verändern, denn eine einzeilige Braille-Zeile mit 40 oder 80 Zeichen, für 5.000 bis 12.000 €, auf Basis einer seit 30 Jahren unveränderten Technik ist reine Bereicherung des Herstellers und Händlers.